Eine Radtour mit Humor, Regenpausen und italienischer Rettung
Der 17. Mai 2026 begann nicht gerade wie aus einem Fahrradprospekt. Über Waldacker hingen dicke dunkle Regenwolken, das Thermometer zeigte magere 12 Grad, und der Himmel sah aus, als wolle er den Weltrekord im Dauergießen brechen.
Doch echte Radlerinnen und Radler kennen bekanntlich kein schlechtes Wetter – höchstens schlechte Regenkleidung.
So trafen sich trotzdem 17 gut gelaunte Teilnehmerinnen und Teilnehmer am 50. Breitengrad in Waldacker. Unter der Leitung von Gerhard Elsesser und Schlussmann und Fotogaf Reinhold Harnoth wurde zunächst noch kurz über die ursprünglich geplante Tour gesprochen. Eigentlich sollte es nach Hanau und entlang der Kinzig bis Hanau-Lamboy gehen. Doch angesichts der Wetterlage entschied man sich vernünftigerweise für Plan B: eine kürzere Tour nach Obertshausen.
Aufbruch mit skeptischem Blick zum Himmel
Zunächst lief alles noch ganz ordentlich. Über den Eulerweg ging es zur Kreisquerverbindung K174 und weiter auf dem Radweg Richtung Rodgau. Am Waldrand bog die Gruppe links in die Bürstleinshegeschneise ein und radelte vorbei am Wasserwerk in Richtung Rembrücken.
Während die Fahrräder zuverlässig rollten, wurde der Himmel allerdings immer unzuverlässiger. Die Wolken verdunkelten sich zusehends, und spätestens jetzt ahnte jeder: Das bleibt heute nicht trocken.
Kurz vor der A3-Brücke war es dann soweit. Die ersten Regentropfen fielen – zunächst zaghaft, dann deutlich überzeugender.
Große Modenschau an der Kleingärtneranlage
An einer Einbuchtung bei der dortigen Kleingärtneranlage wurde hastig ein Zwischenstopp eingelegt. Dort begann innerhalb weniger Minuten eine beeindruckende Vorführung moderner Regenbekleidungstechnik.
Regenjacken wurden aus Packtaschen gezerrt, Hosenbeine artistisch über Schuhe gezogen und Kapuzen in Stellung gebracht. Manche kämpften dabei mehr mit ihren Regenhosen als später mit dem Wetter. Für Außenstehende muss die Szene ausgesehen haben wie ein hektischer Boxenstopp bei der Tour de France.
Frisch verpackt ging es anschließend weiter über die A3. Anfang Obertshausen bog die Gruppe rechts zum Waldrand ab. Dort suchte man unter großen Eichenbäumen Schutz vor dem inzwischen kräftiger werdenden Regen.
Die mächtigen Bäume erwiesen sich als hervorragende natürliche Regenschirme – zumindest solange der Wind nicht von der Seite kam.
Mit leichtem Nieselregen zur verdienten Einkehr
Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte, machte sich die Gruppe auf die letzten drei Kilometer zum heutigen Ziel:
La Fattoria „Alte Schmiede“
Gerhard hatte dort kurzfristig für die Gruppe ein Mittagessen organisiert – eine Entscheidung, die spätestens jetzt von allen Teilnehmern als genial bezeichnet wurde.
Im Lokal angekommen, wurde zunächst kollektiv die Regenkleidung abgelegt. Innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich der reservierte Bereich in eine Mischung aus italienischem Restaurant und Trockenraum für ambitionierte Freizeitsportler.
Die Speisekarte war vielen bereits bekannt. Natürlich dominierte die italienische Küche mit Pizza, Pasta und allerlei mediterranen Köstlichkeiten. Aber auch Freunde der deutschen Küche kamen nicht zu kurz.
Und spätestens bei heißem Essen und trockenen Sitzplätzen stieg die Stimmung wieder deutlich an.
Informationen zwischen Pasta und Pizza
Nachdem alle gestärkt waren, nutzte Gerhard die Gelegenheit, über die kommenden Radtouren zu informieren. Außerdem erinnerte er an das diesjährige Stadtradeln, das am 17. Mai begonnen hatte.
Reinhold wies nochmals auf die Anmeldung über Stadtradeln hin. Schließlich zählt jeder gefahrene Kilometer – selbst bei Regen.
Ein bisschen Geschichte darf auch sein
Ganz nebenbei gab es noch einen kleinen historischen Exkurs:
Obertshausen wurde bereits im Jahr 865 erstmals urkundlich erwähnt, Hausen im Jahr 1069. Beide Orte waren früher kleine landwirtschaftlich geprägte Dörfer. Erst mit der Industrialisierung und der Nähe zu größeren Städten begann im 19. Jahrhundert ein stärkeres Wachstum.
1977 wurden beide Orte im Zuge der Gebietsreform zusammengeschlossen. Seit 1979 besitzt Obertshausen offiziell Stadtrechte. Bis heute trennt die Bundesstraße 448 die beiden Stadtteile räumlich voneinander.
Rückfahrt mit Wetterglück
Gegen 14:30 Uhr machte sich die Gruppe schließlich wieder auf den Heimweg. Vorher wollte Gerhard allerdings noch die neu eröffnete Filiale der Großbäckerei Pappert begutachten. Schließlich gehört kulturelle Weiterbildung auch bei Radtouren dazu.
Danach führte die Strecke am Wald entlang über die alte Hauptstraße nach Weiskirchen und weiter entlang der Bahngleise durch Hainhausen, Jügesheim, Dudenhofen, Nieder-Roden bis schließlich nach Rollwald.
Und siehe da: Die gesamte Rückfahrt blieb trocken.
Erst nach der kurzen Verabschiedung zogen erneut dunkle Wolken auf, und die ersten Regentropfen ließen nicht lange auf sich warten. Entsprechend schnell löste sich die Gruppe auf und jeder trat zügig den Heimweg an.
Fazit
Auch wenn das Wetter nicht ganz auf unserer Seite war: Diese Tour hatte alles, was eine gute Geschichte braucht – Spannung, Überraschungen, Teamgeist und eine ordentliche Portion Humor.
Die geplante große Runde fiel zwar buchstäblich ins Wasser, doch die Alternative wusste zu überzeugen. Und eines bleibt sicher:
Radfahren verbindet – bei Sonnenschein ebenso wie unter Regenwolken.
Oder anders gesagt:
Wer trockenen Humor hat, kommt auch bei nassem Wetter gut nach Hause. 🚴♂️
Foto: Reinhold Harnoth










